Interview Riess Emaille

By Thomas Grimme, 2. September 2013

Wir finden die Produkte aus Emaille der Firma Riess besonders schön, weshalb wir mit ihnen ein kleines Interview zur Firmengeschichte und zum Material geführt haben. Mit Sitz in Österreich, betreibt das Familienunternehmen bereits seit 1926 ein eigenes Wasserkraftwerk um sich mit Strom zu versorgen:

Wie lange gibt es das Unternehmen Riess bereits?

Die Wurzeln unseres traditionsreichen Unternehmens liegen im Jahre 1550. Damals gründeten unsere Vorfahren eine Pfannenschmiede. 1922 begann man auf die Fertigung von hochwertigem Kochgeschirr aus Emaille umzustellen, die guten alten Eisenpfannen haben wir bis heute im Programm.

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Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen?

Wir beschäftigen 110 Mitarbeiter, die meisten sind schon sehr lange unserem Unternehmen verbunden und kommen aus unserer Region. Unsere Betriebszeiten sind an die Wünsche unserer MitarbeiterInnen angepasst, von denen viele Familien oder bäuerliche Betriebe zu versorgen haben.

Riess ist nach wie vor ein Familienunternehmen. Wer ist alles mit an Bord?

Wir führen das Unternehmen – in neunter Generation im Familienbesitz – zu dritt: Julian Riess, Friedrich Riess und Susanne Riess. In Österreich sind wir eines der ältesten Familienunternehmen des Landes und die einzige Emaille-Manufaktur.

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Wo werden die Riess-Produkte produziert?

Unsere Manufaktur steht seit mehr als 400 Jahren in Ybbsitz im niederösterreichischen Mostviertel.

Wie sieht Riess seine Verantwortung gegenüber der Umwelt?

Nachhaltiges Denken ist der Grundpfeiler unserer Firmenphilosphie. Die Manufaktur wird aus Ökostrom unserer drei Wasserkraftwerke an der Ybbsitz betrieben, die bereits seit 1926 für die Stromerzeugung sorgen. Bei der Auswahl der Rohstofflieferanten wird auf kurze Transportwege und umweltfreundliche Transportmittel geachtet. Die Herstellung unseres Emaillegeschirrs erfolgt CO2-neutral. So wird die Region gestärkt und die Umwelt geschont. Wir haben einen Nachhaltigkeitsbericht mit allen Daten erstellt, der auf unserer Website als Download zur Verfügung steht.

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Wie kam die Spezialisierung auf Emaille zu Stande?

Es war dies eine logische Entwicklung, da wir ja immer schon Kochgeschirr erzeugten. Ende des 19. Jhd. wurde Emaille als säurebeständige, hygienische und leicht zu reinigende Oberflächenversiegelung zunehmend geschätzt. So stieg auch unserer Familie 1922 in die damals neue Technologie ein und seit damals leben wir für Emaille, einen Werkstoff, der uns heute mehr als je überzeugt.

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Woraus wird Emaille hergestellt?

Emaille ist nichts anderes als Eisen, das mit silikatischem Glas bei 850°C verschmolzen wird. In der Herstellung werden ausschließlich natürliche „Bodenschätze“, wie Eisen, Quarz, Ton, Feldspat, Borax, Soda & Pottasche sowie kleinste Mengen von Metalloxiden, verwendet. Es gibt keine künstlichen Elemente, weshalb Emaille zu 100% im Altmetall recyclebar ist.

Wie sehen die einzelnen Arbeitsschritte in der Produktion aus?

Die natürlichen Rohstoffe Eisen, Quarz, Ton, Feldspat, Borax, Soda & Pottasche werden vermengt und in Schmelzöfen zwischen 1000 °C und 1200 °C geschmolzen. Aus der flüssigen Masse werden Flocken (Granulat) oder Fritten durch Erstarrung gewonnen.

In unserem Werk werden diese fein vermahlen und mit Zusätzen und Farbkörpern vermengt. Als Dispersionsmedium dient ausschließlich Wasser. Durch eine individuelle Zusammenstellung des Emailschlicker können beinahe alle Farbtöne erzeugt werden.

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Die von uns durch Tiefziehen hergestellten Eisenformen der Töpfe und Pfannen werden von Hand in die Emailfarbe getaucht und getrocknet. Danach beginnt das Aufschmelzen im Brennofen bei 850°. Wir verwenden die Abwärme des Ofens weiters für die Trocknung der Produkte und die Heizung unserer Produktionshalle.

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Was ist das besondere an dem Material?

Das wird eine lange Liste positiver Argumente, die wir gerne weitergeben: Emaille besteht rein aus natürlichen Materialien. Es enthält damit keine Schadstoffe und ist bei Nickelallergie unbedenklich verwendbar. Der starke Stahlkern und die speziell konstruierten Böden leiten die Wärme rasch weiter. Die Hitzezufuhr kann rasch reduziert werden, so wird schonend gegart und Energie gespart. Durch seinen Stahlkern ist Emailgeschirr auch perfekt induktionsfähig. Da Emaille ein Überzug aus Glas ist, behalten alle Speisen und Zutaten ihren natürlichen, unverfälschten Aromen. Emaille ist durch seine glatte, porenfreie Oberfläche bakterienhemmend, leicht zu reinigen und gleichzeitig extrem schnitt- und kratzfest.

Und Emaille gibt es in vielen Farben und Designs. So bringt es für viele, viele Jahre Lebensfreude in die Küche, denn die Lebensdauer von Emailgeschirr ist extrem lang. Und zu guter Letzt ist Emaille komplett recyclebar im Altmetall. RIESS Email ist also nachhaltig in Material, Herstellung und Produktlebensdauer.

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Seit kurzem gibt es eine Kooperation mit dem Designbüro dottings. Wie kam es dazu?

Design ist bei Emailgeschirr immer ein Thema, da wir sowohl Form als auch Farbe gestalten können. Wir arbeiteten im Laufe unserer Geschichte immer gerne mit Designern und Künstlern zusammen. Im Rahmen eines Design-Wettbewerbs der Wiener Design Week lernten wir 2011 das Design-Büro dottings, Katrin Radanitsch und Sofia Podreka kennen. Es entstand die Idee zu RIESS truehomeware mit den Linien AROMAPOTS (Kochen), KITCHENMANAGEMENT (Aufbewahren), die wir dann erfolgreich umsetzten, und wofür wir auch Designpreise erhielten. 2012 entwickelte dottings mit der Starköchin Sarah Wiener als Patin eine Linie von zweifarbigen Backformen, die wir RIESS EDITION Sarah Wiener nennen. Jedes Stück wird von uns handgetunkt und ist ein Unikat.

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3 Comments

  1. […] haben zudem mit der Familie Riess ein Interview geführt, welches ihr hier findet und auch mit dem Designbüro dottings aus Wien, die nicht nur die […]

  2. […] zu finden sind. Ein Interview zum Familienunternehmen und zum Material Emaille findet ihr hier. Diese langlebigen Küchenutensilien kommen in der Sarah Wiener Edition in tollen […]

  3. […] Vom wunderbaren Material, über die Form und Funktion bis hin zur CO2-neutralen Herstellung beim Familienbetrieb Riess in Österreich (die haben ein eigenes Wasserkraftwerk zur Energiegewinnung). Heute dürfen wir noch […]

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